Konzertring Coesfeld
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Allgemeine Zeitung Coesfeld, 16. April 2010:
Mit genialem HöhepunktCalmus Ensemble Leipzig glänzt beim Konzertring
Coesfeld.
Von höchster Reinheit - dieser oft gebrauchte Ausdruck trifft schon wieder zu: das Calmus Ensemble Leipzig traf auf ein staunendes Publikum, und tatsächlich beeindruckte die unglaubliche Homogenität dieser fünf Vokalisten auf das Stärkste. Anja Lipfert, Sopran, Sebastian Krause, Countertenor, Tobias Poche, Tenor, Ludwig Böhme, Bariton, und Joe Roesler, Bass, präsen-
tierten Werke der Vokalpolyphonie unterschiedlicher Provenienzen, die aber alle eine gewisse Beziehung zur Musikmetropole Leipzig hatten.
Nach den zwei Motetten von Heinrich Schütz, dem Großmeister der evangelischen Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts, der seinen Lebensmittelpunkt in Dresden hatte, wurde J. S. Bachs drei- bis fünfstimmige Motette „Jesu, meine Freude" in ihren umfangreichen technischen und stimmlichen Ansprüchen zum genialen, lupenreinen Höhepunkt. Der halb-geistliche „Trauergesang" von Felix Mendelssohn und drei Sätze aus Max Reger's „Geistlichen Liedern" zeigten ebenfalls eine gediegene Interpretation zeitloser Stimmkunst.
Natürlich waren die allgegenwärtige äußerst saubere Intonation sowie die vollendete Übereinstimmung in Schlusskonsonanten pure Selbstverständlichkeiten. Doch hätte man sich manchmal ein wenig mehr an Volumen gewünscht, auch von Seiten der Sopranistin, die sich neben dem die Altstimme besetzenden Countertenor abheben musste.
Alle diese wunderschön und innig interpretierten Werke leben im Bewusstsein vieler ja auch als groß besetzte Chorwerke, und manchmal schien es so, als ob das Ensemble das geneigte Publikum um Erlaubnis bäte, in solch zartem Ausdruck zu
singen. Der nicht weniger anspruchsvolle zweite Teil des Programms zeigte einen Gang durch die europäische Madrigalgeschichte, jener volksnah klingenden, aber sehr kunstvoll gearbeiteten Stücke. Zunächst aus England, wo der Chorgesang bis heute ein außerordentlich hohes Niveau erreicht hat, kamen zwei Stücke von Thomas Tomkins und Thomas Morley, dieser mit seinem Mailied, wobei ein Abschnitt durch die Nase gesungen wurde.
Diese erheiternden Einschübe waren immer wieder anzutreffen, so auch in Banchieri's bekanntem „Contrapunto bestiale", wo sich das Ensemble als perfekter Tierstimmenimitator darstellte. Ein weiteres Madrigal aus Italien, dem Mutterland dieser Gattung, stammte von dem neapolitanischen Fürsten Don Carlo Gesualdo, der mit seiner chromatischen Satztechnik und als überführter oder zumindest verdächtigter Mörder in die Musikgeschichte eingegangen ist. Über Spanien, natürlich hier das Stimmen und Spielen einer Gitarre mit Singstimmen perfekt dargestellt, nach Deutschland zu Johann Hermann Schein, dessen „Liebes Brüderlein" den Zustand und Ausdruck fortgeschrittener Trunkenheit zeigte. Aus dem franko- flämischen Kulturraum erklangen zum Schluss ein Jagdlied von Clement Janequin, natürlich mit Hundegebell.
Eindrucksvoller lässt sich diese unbegleitete Sangeskunst kaum darstellen, da waren sich alle Hörer einig, die in dieser Veranstaltung des Konzertring die neuen Stühle in der Bürgerhalle testen durften, was keinem Vergleich mit den alten in der Stadthalle standhält -letztere waren nämlich besser! Zum Abschied „Shape of my heart" und „Der Mond ist aufgegangen" in verschiedenen Sätzen.
Ulrich Wesseler
Letzte Änderung: 16. 4. 2010 |