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Allgemeine Zeitung, 4. 11. 2008:

Romantische Streicherklänge

"Musiva Viva Moskau" begeisterte Publikum mit seiner Präzision

Musica Viva Moskau unter Konstantin Lifschitz Coesfeld. Nicht nur aus russischer Sicht eines der besten: angekündigt als ein Kammerorchester der hervorragendsten Musiker des Staatskonservatoriums, konnte das Ensemble dieser Erwartungshaltung überaus gerecht werden. „Musica Viva Moskau" unter der Leitung von Konstantin Lifschitz war zu Gast im Konzertring und gestaltete einen äußerst interessanten Abend zur Freude des Publikums. Indes mag das Vergnügen unterschiedlich gewesen sein: Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 10 h-Moll - satztechnisch durchaus erkennbar als gelungene Kompositionsübung eines jugendlichen Genies — erschien als hübscher Einstieg in die Welt eines durchstrukturierten Streicherklanges. Unglaubliche Präzision und makellose Ho- mogenität ließen sofort das hochspezialisierte Ensemble erkennen, das eine lebendige und elastische Wiedergabe pflegt. Das Konzert E-Dur BWV 1053 des Altmeisters Bach besitzt eine gewisse kompositorische Substanz. Ob es nun für Cembalo, Geige, Oboe oder was auch immer geschrieben wurde, auf einem modernen Klavier lässt es sich gut darstellen, weil Strukturen hörbar gemacht werden können, die sonst untergehen. Das tat Konstantin Lifschitz in ausgezeichneter Manier, manchmal etwas zu impulsiv. Das Element eines russischen Kammerorchesters ist das rhythmische, demonstriert an Igor Strawinskys Concerto D-Dur. Verschiedene, bisweilen konstruiert klingende Stilelemente wurden sichtbar, aber doch auch das gelungene Bemühen um eine streicherspezifische Ausdruckskultur. Der in seinem persönlichen Leben starken Stimmungsschwankungen unterliegende Peter Tschaikowsky schrieb mit der „Souvenir de Florence" eine wunderbare Musik mit sechsfach geteilten Streichern. Der mit großer Geste dahinströmende walzerselige erste Satz wird von einem schwelgerischen Adagio mit Sologeige und -cello beantwortet. Russische Folklore mit entsprechendem Temperament verbindet sich zu satz- und spieltechnischen Raffinessen. Ob es nun „Gedanken der west-östlichen Spannung und gegenseitiger Durchdringung in sich selbst" (?) oder einfach nur schöne Klänge sind, mit dieser Fülle romantischer Streicherklänge beglückte „Musica Viva Moskau" ein hochzufriedenes Publikum.

Ulrich Wesseler


briefkasten Fragen zum Konzertring:  Dieter Westendorf
Letzte Änderung: 04.11.2008